Tattoos – Klischees & Vorurteile

Es gibt Leute, die haben ein Tattoo. Und es gibt Leute, die sind tätowiert. Ich zähle mich zu den Tätowierten und werde dementsprechend regelmäßig mit Vorurteilen konfrontiert. Hier nehme ich zu manchen Aussagen Stellung und hoffe, damit nicht zu vielen Menschen auf den Fuß zu treten. 😉

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1. Alle meine Freunde sind tätowiert

– Ääääh nein? Heutzutage sind viele Menschen tätowiert und davon befinden sich auch einige in meinem engeren Bekanntenkreis. Aber sie sind gewiss nicht meine Freunde, WEIL sie tätowiert sind. Ich habe am liebsten Menschen um mich herum, mit denen ich klar komme. #makessence Aber Tattoos sind dafür kein Indiz.  Also Leute, Sätze wie: “Mit dem kommst du bestimmt gut klar, der ist auch komplett zugehackt.”, sind total daneben.

2. Tattoos sagen etwas über einen Menschen aus

– Was denn? Außer die Leidenschaft für bunte Haut?
Ok ich muss zugeben, wenn jemand ein Hakenkreuz auf der Stirn trägt, ist er wahrscheinlich ein Nazi. Das sagt dann aus, dass dieser Mensch außerordentlich dumm ist.
Eventuell lassen sich Hobbys oder Vorlieben aus manchen Motiven erahnen. Autos, Tiere, Sportsymbole usw. Aber das reicht definitiv nicht aus, um die Stärken oder Schwächen eines Individuums zu beurteilen.

3. Sollten Tattoos eine Bedeutung haben?

– Natürlich ist es toll, wenn Hautbilder eine Bedeutung für den Träger haben. Aber ich sehe es nicht als Notwendigkeit. Von meinen Tätowierungen haben vielleicht 20 % eine Bedeutung. Beim Rest bin ich Fan des Künstlers, finde es schön oder die Bedeutungen liegen in anderen emotionalen Ecken. Kürzlich wurde ich z.B. von einer langjährigen Freundin tätowiert. Da geht es weniger um das Motiv, als um die Verbundenheit.

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4. Tattoos machen süchtig

– Zumindest fällt mit dem ersten Tattoo oft eine Hemmschwelle und man bekommt Mut für mehr. Ich hatte bereits als Kind angekündigt, dass ich mal tätowiert sein werde. Das ich mal den Punkt erreichen würde, wo mehr als 50 % meines Körpers bunt sind, hatte ich allerdings nicht einkalkuliert. 🙂 Ein gewisser Suchtfaktor wird da schon eine Rolle gespielt haben. 😉

5. Du hörst doch Punk und Heavy Metal

– Auch. Aber deswegen wurde meine Haut nicht bunt. Es war tatsächlich mal so, dass man auf Gitarrenkrach Feten durchschnittlich mehr dermatologische Kunst betrachten konnte, als auf einem Britney Spears Konzert. Aber heute findet man doch in jeder Szene farbige Körperkunst? Guck doch mal Justin Bieber!

6. Tut ein Tattoo weh?

– Ja. Mir schon! Aber ich gebe auch zu, ein Weichei zu sein. Und mit jedem Jahr mehr auf dem Buckel scheint es schlimmer zu werden. Aber wer generell Schmerzunempfindlich ist, wird weniger Probleme haben. So ganz grob kann man behaupten, dass man an den Stellen, wo man auch kitzelig ist, mehr Schmerzen haben wird. (z.B. die Rippen oder der Bauch) Allerdings reden wir hier von keinem unerträglichen Leid. Und wer schön sein will, muss ja bekanntlich auch leiden.

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7. Tätowierer ist Tätowierer

– NEIN! Meine erste Gegenfrage auf “Welchen Tätowierer kannst du empfehlen?”, lautet immer: “Was willst du denn haben?”. Ich gehe zwar davon aus, dass ein vernünftiger Stecher eine Rose am Knöchel oder einen Schmetterling auf dem Schulterblatt kredenzen kann, aber wer ein wirkliches Motiv vor dem inneren Auge hat, der sollte sich einen Tätowierer suchen, der auch genau das gerne und gut macht. Wenn beide an dem Projekt Spaß haben, hat man mehr Garantie auf ein gutes Ergebnis.

8. Gibt es Trendmotive?

– Jupp! Sterne und Schmetterlinge spielen schon seit Jahren in der oberen Liga. Auch ich habe dazu beigetragen. Aktuell sind Dreiecke und Unendlichkeitszeichen hoch im Trend. Ist ja auch ziemlich deep.

9. Keine Karriere mit Tattoos?

– Wenn du am Empfang einer Bank stehen möchtest, wird es wahrscheinlich sehr schwer mit sichtbaren Tattoos. Wobei ich der festen Überzeugung bin, dass es 80 % der Kundschaft nicht stören würde, wenn der Berater Hautzierden trägt. Gepflegt und kompetent sollte er sein. Egal ob bunt oder nicht. Die anderen 20 % sind dann die Menschen, die aufgrund ihres Alters Tattoos falsch assoziieren oder eben jene, die sich engstirnig gegen gesellschaftliche Entwicklungen sträuben. Hier sollte man sich generell Gedanken machen, ob man in so einem Umfeld überhaupt arbeiten möchte. Und in vielen Unternehmen sind Tätowierungen gar kein Thema. #justsaying

10. Tattoos werden im Alter hässlich

– Kann sein. Es kann ja nicht jeder, wie George Clooney, mit dem Alter Attraktivität gewinnen. Im Normalfall nimmt unser optischer Glanz eh ab und reduziert sich irgendwann auf langärmelige Blumenkleider oder Cordhosen. Aber Runzelhaut ist ist auch ohne Tinte pfui. Allerdings bekommt ein vernünftiges Tattoo durch gute Pflege eine erstaunlich lange Lebensdauer und notfalls kann man es sich ja nachstehen lassen.

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Btw, die Tätowierungen auf meinem Körper stammen von Lorena Morato, Heinz Graynd, Sue Versipellis und Seb Fury One

 

 

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4 Gedanken zu „Tattoos – Klischees & Vorurteile

  1. Guten Tag schöne bunte Frau,
    Megatoll deine Einstellung. Tattoos können wirklich süchtig machen. Du sprichst mit deinen Worten genau meine Sprache. Wenn man den/die entsprechende(n) Künstler(in) gefunden hat, der/die einem laufend verziert. Ich habe erst mit bald 30 begonnen mich tätowieren zu lassen und auch meine negativen Erfahrungen gemacht. Der erste und der dritte Künstler haben nicht so schön gearbeitet. Mit einer krankheitsbedingten grösserer Pause, habe ich meine Leidenschaft wieder begonnen fortzusetzen. Seit bald 6 Jahren lasse ich mich nur noch von einer ausgezeichneten Künstlerin tätowieren. Fast monatlich habe ich einen Stichtag. Mein Körper ist seit längerer Zeit eine Dauerbaustelle. Gewiss habe ich auch bald meine 50%-Marke geknackt. Mein Ziel ist ein Bodysuit. Gesicht, Hals und Hände sind noch vorerst tabu.
    Wenn man die Natur betrachtet, fast alle Lebewesen in der Tierwelt tragen ein buntes Fell-, Feder- oder Schuppenkleid. Entweder aus Tarnung oder als Zierde der entsprechenden Rasse. Wir Menschen werden nackt geboren, da steht uns offen wie wir uns mit Tattoos, Piercings, Bodymods, Schmuck oder Kleidung verzieren möchten um unseren Individualismus zu markieren. Ich habe mich nicht tätowieren lassen um anders zu sein, ich habe es gemacht um “ich” selber zu sein und ich fühle mich sehr wohl in meiner permanent bunten Haut. Das Leben ist bunt, warum sollen wir nicht auch selber bunt sein.
    Jedes Mal wenn ich nach dem Tätowieren, das Studio verlasse, sprudeln meine Glückshormone und ich fühle mich überaus glücklich. Fast könnte ich die Welt umarmen. Erst einige Tage danach komme ich langsam auf den Boden zurück. Mit meinem immer bunter werdenden Körper fühle ich mich in einem überaus gut Einklang.
    Viele bunte Grüsse an die bunte Tattoo-Welt
    Rudi (oder Flodur)

    1. Eine üble Behauptung von Dir “Schlaf der Gerechten”. Denn ich bin aus Überzeugung Nichtraucher…, habe keine Haustiere… ausser Spinnen, Mücken, Fliegen und Vögel die mich spontan besuchen, motorisierte Individual-Mobilität (kein Töff und kein Auto) habe ich nicht…, dumm bin ich auch nicht, ich habe immerhin einen HTL-Abschluss in der Starkstromtechnik…, bin nicht arbeitslos… und zu guter Letzt dusche ich täglich und wasche mir auch täglich die Haare… Was sagst Du jetzt?
      Solche Behauptungen über uns, nur weil wir gerne bunte Haut tragen, ist eine üble Beleidigung die eigentlich bestraft werden sollte! Wir sind im Wesen alles sehr tolerante, aufgestellte, motivierte Menschen, die ein ganz geordnetes Leben führen und niemanden belasten und stören. “Nur ein bisschen bunter und ein wenig mehr Metallhaltigkeit” macht aus uns keine Assis!
      Es musste einfach wieder mal gesagt werden.
      Rudi

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