Schublade, Nicci

Die Sache mit der Schublade

Es ist gar nicht so lange her, und es kommt im Laufe der Zeit immer mal wieder vor, dass mich jemand in eine Schublade steckt und im Gespräch die Worte „bei so jemand wie dir“ verwendet. Wer ist denn diese Jene, die mein Gegenüber da meint?
Ich deute darin, dass ich anders gesehen werde. Dass ich mit meiner Art und meinem Erscheinungsbild eine Wirkung auf andere haben kann, womit ich einen Eindruck übermittel, dass ich irgendwie anders sei. Als würde ich anders denken, anders durch die Welt laufen und mich von der groben Norm absetze. Aber woran macht mein Dialogpartner das fest?

Die Schublade

Weil ich eine große Klappe habe? Wegen meinen Tätowierungen? Aufgrund meines Instagram Accounts?
Warum sollte ich Dinge anders sehen? Als wer überhaupt?
Ich mein klar – in gewisser Weise steckt jeder  Mensch alle anderen Personen in Schubladen. „Erster Eindruck“ würde es derjenige bezeichnen, der sich von dem plump wirkenden Sprachgebrauch absetzen will und sich einbildet, auf einem geistig höheren Niveau zu stehen. Der unfreiwillige Gedankenprozess bleibt allerdings der Gleiche und er geschieht mit uns allen. Würdest du mich fragen wäre meine Antwort, das dies zur Kommunikation im Rudelverhalten dient. Ob man sich riechen kann. Denn nicht jeder landet bei dieser unterbewussten Beurteilung in angenehmen Schubladen. So ist die Blondine mit rosa High Heels und glitzernden Gel-Nägeln direkt eine Tussi, der Typ mit Karo Hemd, Vollbart und Fliegerbrille ein Hipster und das Mädchen mit den Dread Locks ein Hippie. Aber warum sollten diese von mir persönlich kategorisierten Leute zum Thema Politik, Baustellen auf Autobahnen oder dem neusten iPhone prinzipiell eine andere Meinung haben, als ich? Damit würde ich ja nicht die anderen als anders bezeichnen, sondern mich selber von der Masse absetzen.

Ich bin anders als du, sagen Leute die anders sein wollen

Das ist wie diese Mädchen, die besonders bei dem ersten Date erst mal raushauen:
„Ich bin anders als die meisten Frauen…“ – Aha. Warum?
Bist du keine Drama Queen? Kannst du laut Rülpsen? Weißt du was beim Fußball Abseits bedeutet? Oder spielst du gerne Horror-Games auf deiner Playstation? Wurdest du bei deinem letzten Liebeskummer so derbe verletzt, dass die Welt sich jetzt anders dreht? So für immer?
Das sind doch alles Fakten die dich höchstens interessant oder sympathisch machen. Deine Erlebnisse im Guten wie im Schlechten haben dich bis hierhin geformt. Aber warum solltest du deswegen anders sein? Sind deine Meinungen zu Politik, Tierquälerei, Olympia und Mindestlohn deswegen anders, weil man dir das Herz gebrochen hat oder weil du gerne Resident Evil zockst? Ich glaube nicht. Es ist eher das innere Bedürfnis sich abzusetzen und aus der breiten Masse heraus zu stechen.

Lass die Schublade auf

Weil ich Tinte unter der Haut habe und über Männerwitze lache, bin ich doch auch nicht anders. Auch ich schleppe meine Päckchen mit mir rum. Die schönen lachenden Momente, Kölle Alaaf und Kölsch, sowie Sorgen, Liebeskummer und Wut. Wenn ihr euch absetzen wollt und in Schubladen sitzen möchtet – bitteschön! Ihr dürft auch mich gerne in Schubladen stecken. Aber lasst Sie bitte offen, wenn Ihr mit mir redet.

Denn “so jemand wie ich”, ist auf Deiner Augenhöhe.

2 Gedanken zu „Die Sache mit der Schublade

  1. Das wirst du leider niemals abschalten können.
    So ist das halt. Ist so ein Psychoding. Macht das denken einfacher.
    So sehr ich mich auch bemühe, beim ersten Eindruck, packe ich leider immer die Schublade aus.
    Bewusst denke ich aber darüber nach und versuche dies zu ändern.
    Damit hat wohl jeder zu kämpfen , der ein wenig “anders” ist. (Wer beurteilt das?….ok das führt jetzt zu weit)
    Sehr sympathisch geschrieben (y)

  2. Ist doch nicht schlimm, wenn man einen ersten Eindruck hat. Wenn man dann offen bleibt und hinter die Fassade schaut, kann es richtig spannend werden. Ich habe mich nie getraut mich tätowieren zu lassen, finde es aber toll. Dabei bin ich schon Oma. Ich habe auch schon Menschen kennen gelernt und mein erster Eindruck hat mich nicht getrogen. Fazit, offen durch die Welt gehen und sich überraschen lassen.

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