älter werden, Nicci Haumann

Die Sache mit dem älter werden…

Älter werden – Part 1

Ja, viele von euch werden gerade das Gesicht verziehen, wenn aus meinem Munde Worte über das älter werden kommen. Aber dieser Artikel juckt mich schon lange in den Fingern und wollte geschrieben werden. Auch wenn es allem Anschein nach merkwürdig klingt, dass auch ich, als umtriebiger Lebemensch, Eigenschaften und Verhaltensweisen an mir feststelle, die leider nur eindeutig auf das älter werden zurück zu führen sind. Woran ich das festmache und ob ihr euch in meinen Worten wieder erkennt, dürft ihr in diesem Beitrag feststellen.

Wie war das denn damals?

Vor ungefähr 10 Jahren habe ich angefangen, zunächst nebenberuflich, im Nachtleben zu arbeiten. In einem alternativen Club im Party Bermuda Dreieck Ehrenfeld nahm alles seinen Anfang. Mein Revier war die Theke und zu damaligen Zeiten war es in vielen Clubs gar nicht unüblich, dass das Thekenpersonal während der Arbeitszeit freien Zugang zu den angebotenen Getränken zum Eigenverbrauch hatte. Heißt, in einer Schicht, die um 6 Uhr am Morgen ihr Ende fand, wurde der ein oder andere Longdrink und dazu noch einige Thekenrunden Schnaps verzehrt. Meistens war allerdings so viel Betrieb, dass man gar nicht so wirklich zum Trinken kam und hatte somit beim Zapfenstreich den perfekten Pegel, um mit den Kollegen in die benachbarten Lokalitäten weiter zu ziehen. Somit traf man uns bei Morgengrauen meistens an der Theke im Underground auf eine undefinierbare Menge Jägermeister. Nach ein bisschen Heavy Metal und einer kleinen Tanzeinlage meldete sich dann der Hunger und bevor man den Kurs Richtung Heimat einschlug, wurde bei MC´s oder dem Backwerk um die Ecke gefrühstückt.
Auf meinem Heimweg kreuzten junge Familien meine Strecke, die vermutlich auf dem Weg in die nahegelegene Kirche oder zum Frühshoppen bei der Verwandtschaft waren. Es war meistens zwischen 9 und 10 Uhr. Die Blicke, die mich trafen, waren teilweise leicht angewidert. Das könnte aber auch an der Duftnote liegen, die ich hinter mit herzog. Damals durfte man noch in den Clubs Rauchen und somit musste es ein Gemisch aus diversen Alkoholika in meinen Klamotten und Aschenbecher sein. Schön war, wenn man in aufeinander folgenden Wochen, der gleichen Family an der gleichen Stelle begegnete. Fast schon peinlich. #yolo

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Der Tag danach…

Zu Hause angekommen wurde 2-3 Stunden gepennt, aufgestanden und das Wetter gecheckt. Sonne! Spätestens am frühen Nachmittag traf man sich mit den gleichen Kollegen der Nachtschicht im Freibad oder im Park, der absoluten Hitze ausgesetzt. Mein Körper zeigte keinerlei Anzeichen von Schwäche, Schmerz oder älter werden. Und am Abend wiederholte sich das Prozedere. So sah ein standardmäßiges Wochenende aus.

 

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Und Heute?!

Heute?! Es ist ja schon der ultimative Ausnahmefall, wenn ich überhaupt so lange aushalte. Und sollte dieser Fall eintreffen und ich hätte um 7 Uhr morgens noch einen Jägermeister im Anschlag, bekäme ich nach dem Erwachen schon arge Probleme, mich überhaupt im Bett aufzurichten. Selbst nach einer „normal“ langen Nacht, mit ordentlich Bier und hoffentlich keinem Schnaps (und erst recht keinen Jägermeister!!!) fällt es mir am Folgetag schwer, weitere Strecken als Bett-Couch-Kühlschrank-Couch-Toilette zurück zu legen. Eine Ausnahme mache ich ggf. für den Pizzamann. Duschen wird ebenfalls überbewertet. Zu anstrengend. Und dieser Prozess, nimmt mit dem älter werden schleichend seinen Lauf. Zunächst ist man dann doch erst gegen frühen Abend zu den Kollegen auf die Wiese gefahren. Dann begleitet von leichten Kopfschmerzen, schlimmer werdenen Kopfschmerzen und irgendwann dann gar nicht mehr. „Sonst packe ich die Schicht heute nicht!“. Irgendwann fanden die Grilltreffen im Park auch gar nicht mehr statt und die Gesichter und Körperhaltungen der Kollegen, die mit mir die kommende Schicht an der Theke absolvieren mussten, sprachen mir aus der Seele. So etwas wie einen Kater kannte ich früher nicht und heutzutage spüre ich selbst montags noch, was ich mir samstags in den Körper gestellt habe. Aktionen getreu dem Motto, „Wer feiern kann, kann auch arbeiten“, passieren mir heute nur noch aus Versehen. Mit viel Reue und Aspirin sitze ich dann am Schreibtisch und zähle die Stunden zum Feierabend. Damals bin ich (wenn überhaupt), von der Party auf eine fixe Dusche nach Hause gefahren, um dann direkt ohne Schlaf und Clubgeruch, ins Büro zu fahren. Kein Problem!
Früher habe ich die Leute ausgelacht und motiviert, sich unserer Feierabendrunde durch Ehrenfeld anzuschließen, wenn diese verneinende Argumente lieferten wie: „Ich muss morgen früh raus.“ oder „Ey, gestern war schon zu hart.“. Heute bekomme ich selber leichte Anflüge von Panik, wenn meine Partytruppe um drei Uhr morgens plant, noch in einen anderen Laden zu wechseln. Man weiß einfach wo das endet. Und das ist nicht schön. Aber die Stimmung ist so gut und man schafft es einfach nicht immer, sich rechtzeitig auszuklinken. Ein Teufelskreis. Manchmal bleibt man einfach besser zu Hause.

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Merkt ihr was?

Und nun liebe Freunde, wer erkennt sich wieder? 😉
Ich tippe mal, die ersten offensichtlichen Anzeichen des älter werden trat bei mir mit ca. ende Zwanzig ein. Und es wird nicht besser… Gut, nun bin ich auch eine Person die gerne und viel unterwegs ist und vor allem dem Bier viel Liebe entgegen bringt. Da darf ich mich über elende Folgetagzustände nicht wundern oder beschweren. Vor allem wenn es im engeren Umfeld Freunde gibt, an denen solch durchzechten Nächte scheinbar immer noch spurlos vorbeigehen. Das ist nämlich eine Superkraft und ich hasse euch! In diesem Sinne freue ich mich über jeden, der sich durch diesen Artikel mit mir verbunden fühlt und seine Erkenntnis hier teilen möchte. Ihr seid nicht alt! Ihr werdet nur älter. Prost!

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Pics via 9Gag und Nicci Haumann

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