Der Herbst und seine Finsternis

Wenn der Sommer plötzlich verschwindet und die Finsernis einbricht

Ja, ich nenne es Finsternis. Und sie ist dann da, wenn morgens der Wecker klingelt und man die Hand vor Augen nicht sieht. Nicht weil man sein Zimmer so abgedunkelt hat, sondern weil der Himmel noch abgedunkelt ist. Es scheint auch gar nicht wirklich hell zu werden über den Tag und wir treiben in unseren alltäglichen Abläufen durch ein Grau, dass zwar keine gute Laune macht, aber erfreuliche Ereignisse ankündigt.

Sehr häufig mache ich zu Beginn meiner Posts ein Geständnis. Und bevor ich euch meinen typischen Herbsttag schildere, so auch heute. ICH BIN KEIN MORGENMENSCH!
Ich gehöre zwar auch nicht zu den totalen Langschläfern, aber alles vor 7:30 Uhr fällt mir schwer. Wirklich schwer wird es in Zeiten zwischen 6:30 und 7 Uhr. Und wenn der Fall eintrifft und ich sogar um 5:30 den Wecker stellen muss, dann ist das einfach außerhalb meiner Funktionalität. Zombiemodus. Aggro Zombie. Da bringen der krasseste Kaffee oder drei Liter Cascara nichts, um mich in die Gänge zu kriegen. Dass passiert dann irgendwann im Laufe des Vormittages automatisch. Nicht schön.

Vor allem, wenn es morgens noch so düster ist.  Ich habe dann das Gefühl, dass es noch mitten in der Nacht ist. Draußen auf den Straßen ist kein Laut zu hören und im Hausflur fallen keine Türen in die Schlösser, weil die Nachbarn sich auf den Weg zur Arbeit machen. Nur ich sitze in meiner Wohnung, Augen auf halb acht und trinke mühselig meinen ersten Kaffee. Ich denke dann daran, was mich gleich erwartet. Es regnet nämlich leicht und ein bisschen windig ist es auch. Mein iPhone sagt mir, dass es zehn Grad sind und die Temperaturen den ganzen Tag auch nicht merklich ansteigen werden. Ich muss raus in einen ekligen Herbstmorgen, der mir noch nicht mal nach Feierabend einen Sonnenstrahl schenken wird. Trostlos!

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Irgendwelchen Automatismen folgend, stehe ich nachher an der Bushaltestelle und friere leicht. Es ist erst Oktober! Ich will meine dicke Winterjacke noch nicht tragen. Immerhin sind es noch zehn Grad. Aber an den Beinen nagt das feuchte Kältegemisch aus Regen und Morgengrauen, welches sich am Himmel allerdings noch nicht bemerkbar gemacht hat. Unabhängig von überfüllten öffentlichen Verkehrsmitteln, gelange ich einigermaßen bequem zur Arbeit. Der kurze Fußmarsch am Kölner Dom vorbei, sorgt allerdings erneut dafür, dass ich meine Schultern hochziehe, um meinen mit einem Schal umwickelten Hals vor dem Wind zu schützen.

Ein paar Stunden später verrät mir ein Blick auf die Uhr, dass in Kürze Feierabend ist. Ich blicke aus dem Fenster und denke freiwillig über Überstunden nach. Wer will denn da schon raus? Alles nass, obwohl es gar nicht richtig regnet und die Straßenbahnen stinken bestimmt nach dem nassen Dreck unter den Füßen der Menschen. Ich überlege, welche Erledigungen ich in welcher Reihenfolge am cleversten hinter mich bringe. Selbst das Grau zwischen den Hauswänden von Köln und am Himmel ist finster. Ähnlich wie die Blicke der Menschen, die mir entgegen kommen. Sie spiegeln wahrscheinlich meinen Ausdruck wieder. Meine Einkäufe sind getan und ich bin auf dem Heimweg. Es gab heute wirklich keinen Sonnenstrahl.

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Zu Hause angekommen, entledige ich mich erst mal der mit Herbstfinsternis bedeckten Kleidung und schmeiße mich in einen gemütlichen Pulli und eine Jogginghose. Während ich die Einkäufe an ihren angedachten Platz räume, werden meine Beine von zwei schnurrenden Stubentigern umstrichen. Es wird warm. Nicht nur wegen der Heizung die ich anstellen musste, sondern weil ich zu Hause bin und ich mich darauf freue, wie ich den Nachmittag oder Abend gestalten könnte. Ich koche mir Tee, checke meine privaten Mails, klicke mich durchs Netz und arbeite an meinem Blog. Im Drogeriemarkt habe ich mir einen Badezusatz gekauft. Duft: Tanne. Ein Duft der den lebenden, frischen Herbst symbolisiert. Keinen grauen finsteren. Ich lasse mir Wasser ein und setze mir noch einen Tee auf. Vorgestern hatte ich eine Buchbestellung im Briefkasten und nun ist der passende Moment mir eine dieser Errungenschaften vorzunehmen. Der warme Duft der halbvollen Wanne durchzieht die Räume und es fühlt sich kuschelig an.

Viel zu lange liege ich im warmen Wasser und habe mich von den ersten Kapiteln des Romans hinreißen lassen. Meine Katze schnurrt auf dem Badewannenrand, neben meinem Kopf sitzend und stupst mich an. Es wird Zeit, das Buch zu zuklappen und eine Kleinigkeit zu essen. Der Eintopf von gestern wird jetzt noch besser schmecken und ich habe auch noch 2-3 Episoden meiner aktuellen Serie vor mir. Dezent satt und mit einem weiteren frischen Kräutertee sitze ich nun auf der Couch und um meine Beine liegen leicht brummende warme Samtpfoten. Draußen herrscht nun wieder schwarze Finsternis. Immerhin muss ich mich nicht schlecht fühlen, weil ich auf der Couch liege und es mir wahnsinnig gemütlich gemacht habe. Denn anders wie im Sommer, gibt es keinen Grund, mehr Zeit als notwenig an der frischen Luft zu verbringen.

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So nimmt der Tag ein Ende und ich denke bereits beim Stellen des Weckers daran, wie es morgen früh wohl sein wird. Ich ignoriere jegliche Wetterberichte, um nicht noch mehr negativen Einfluss in meine Gemütlichkeit zu mischen. Im TV läuft nur Mist… Durch mein leicht geöffnetes Fenster dringt frische, aber kalte Luft. Würde morgen wenigstens die Sonne scheinen… Aber es wird wieder grau und finster sein. Wie so viele Tage des sogenannten Herbstes in Köln. Ich werde wieder frieren.
Und es ist noch nicht mal Winter… Aber bald machen ja die Weihnachtsmärkte wieder auf.

Und der Karneval rückt wieder näher…

 

pix via pexels

 

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